Aus die Maus!
Meine (unsere) Katze Rosi ist am Montag den 21. Juli friedlich beim Tierarzt eingeschlafen. Eigentlich wollte meine Mutter sie einschläfern lassen, weil sie recht schwach und krank war, scheinbar Schmerzen hatte und nix mehr fraß. So ein Schwächeanfall war nun bereits das dritte Mal vorgekommen und noch mal wollte sie sie nicht mit Vitaminen und anderem Zeug aufpäppeln. Mehr als Verständlich. Wir dachten schon beim letzten Mal darüber nach.
Der Arzt machte Mutti nicht viel Hoffnung und man hat sich dann fürs einschläfern lassen entschieden. Dabei gibt es so eine Art Vornarkose bevor die eigentliche “Giftspritze” kommt. Rosi hat schon bei der Narkose aufgegeben, obwohl sie normalerweise zur Narkotisierung bis zu 2,5 Dosen braucht um ruhig aufm OP-Tisch zu liegen. Das war unsere Erfahrung als sie Ende 1990 kastriert wurde. Während der Narkose ist sie also gleich ganz eingeschlafen und Mutti hatte kaum Zeit sich zu verabschieden. Ich hatte bereits ähnliches geahnt und hatte mich während meines letzten Besuchs in Deutschland im Januar von Rosi verabschiedet.
Rosi wurde wahrscheinlich im Mai 1990 geboren und ist mir und meinen Eltern im September des gleichen Jahres zugelaufen und seit dem war sie nach kurzer Diskussion mit meinem Vater festes Familienmitglied. Ich war damals 9 und hab ne Weile gebraucht um meinen Vati zu überreden. Bedingung war dann, dass Rosi sich nur im Flur unserer Wohnung aufhalten durfte. Da wo Futternapf und Katzenklo standen. Wir sind am gleichen Tag noch zum Tierarzt und haben sie gründlich untersuchen lassen. Sie war kerngesund und hatte auch keinen Wurmbefall, was den Arzt erstaunte und vermuten lies, dass sie aus einem anderen Haushalt kam. Trotz Umfrage in der Nachbarschaft meldete sich aber nie jemand der sie zurück haben wollte. Und ehrlich gesagt hätte ich sie auch nie wieder hergegeben.
Rosi ist mit mir aufgewachsen und die nächsten 9 Jahre habe ich mir ihr verbracht. Bald bemerkten wir, dass sie eine seltsame psychische Störung hatte. Man durfte sie nur am Kopf und dem Hals streicheln. Sobald man an den Rücken kam wurde sie sehr agressiv und fauchte und kratzte. Der Tierarzt sagte uns später, dass sie wohl öfters mal geschlagen wurden sei, er kenne solches Verhalten nur von Tieren die gequält wurden. Aber wir fanden uns bald damit zurecht und Rosi gewöhnte sich an uns und wir an sie.
Wir stellten auch erstaunliche Fähigkeiten bei ihr fest. Wollte sie Futter, klang ihr Miauen manchmal so, als würde sie “Mama” sagen. Auf meine Mutti war sie sehr bald sehr fixiert. Kein anderes Familienmitglied erhielt soviel Aufmerksamkeit von Rosi wie Mutti.
Bald hatte Rosi dann als ersten Raum mein Kinderzimmer erobert, hinzu kam die Küche, später auch das Wohnzimmer. Und nach ca. 6 Monate saß sie das erste Mal bei meinem Vati aufm Schoß und er streichelte sie. Jaja, der Charm einer Katze. Unwiderstehlich.
Während ich bis 1998 noch zur Schule ging gewöhnte sich Rosi an mich jeden morgen bis zur großen Hauptstraße zu begleiten und am Nachmittag stand sie immer pünktlich an der Brücke die von der Hauptverkehrsstraße weg wie nach Hause führte und lief mit mir heim. Egal wann ich nach Hause kam, selbst wenn mal Stunden ausfielen, Rosi war immer pünktlich da um mich “abzuholen”…
1997 fand ich am Ufer des Flußes in der Nähe unseres Hauses einen kleinen Kater den wir “Krümel” nannten. Fast hätten wir ihn auch behalten, jemand hatte ihn wohl ertränken wollen. Aber Rosi war sehr eifersüchtig auf Krümel und als dieser sich ganz frech an ihrem Futternapf bediente, lieferte Rosi sich einen Boxkampf mit dem kleinen Bündel und schmiss ihn geradewegs an die Wand. Brutale “Ziege”! Wir haben ihn dann ins Tierheim geschafft und dort ist er aufgrund von Schwäche und Unterkühlung nach 3 Tagen gestorben.
1999 bin ich von zu Hause weggezogen und Rosi blieb bei meinen Eltern. Sie hatte auch die Flut 2002 und den Umzug in die Großstadt ohne Probleme überstanden. 2006 entwickelte sie erste Marotten einer Katzenoma. Ihr fiel ein Schneidezahn aus und sie wurde immer vergesslicher. Wir glaubten, sie hatte sowas wie Alzheimer für Katzen. Ende 2007 bis zu ihrem Tod war sie so vergesslich, dass sie nach jeder Fütterung Theater machte als hätte sie tageland nix zu fressen bekommen. Und sie brauchte ständig Aufmerksamkeit. War nicht immer einfach für meine Eltern. (An dieser Stelle ein dickes Danke an euch!)
Besonders lustig wurde es, wenn ich aus Wales daheim anrief. Rosi hörte immer meine Stimmte, legte sich schnurrend an den Telefonhörer und lieferte sich einmal einen kurzen Kampf mit meinem Vati, darum wer meine Stimme hören durfte. Sie hat ihm den Hörer versucht aus der Hand zu schlagen.
Manchmal hat meine Mutti ihr den Hörer hingehalten und ich habe “mit ihr gesprochen” bzw. ihr gut zugeredet. Sie hat dann nach den Gesprächen immer die Wohnung nach mir abgesucht. Die Arme.
Aber bin ich mal zu Besuch gekommen, da hat sie mich die ersten Tage immer ignoriert. Erst kurz bevor ich wieder abreiste hat sie dann mit mir geschmust. Ich muss dazu sagen, dass Rosi sich immer selbst ausgesucht hat, wer sie streicheln durfte und beim wem sie auf dem Schoß saß. Bei wem sie das nicht wollte, den hat sie das immer deutlich spüren lassen.
Naja nun ist sie nicht mehr da. 18 Jahre sind eine lange Zeit und sie ist wirklich alt geworden. Es war eine schöne Zeit mit ihr, auch wenn sie die letzten Monate etwas nervte.
Tschüss Rosi! Danke fürs vorbeikommen in unserem Leben…
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Friday, 25. July 2008 15:24
Ein schöner Nachruf und ein schönes Leben. Ich habe bisher 2 Kater velroren, den einen sehr früh (Auto), den anderen mit 15. Es ist schön, wenn die Tiere einen durch das Leben begleiten.
Friday, 25. July 2008 18:26
Das hast du total schön geschrieben
Und ich denke, Rosi hatte, nach anfänglichen schweren Monaten, ein schönes Leben bei euch!
Saturday, 26. July 2008 18:30
@Treibgut
Danke! Ja, sie hatte es sehr gut bei uns. Wir haben in beiden Grundstuecken jeweils viel Garten vor und hinter dem Haus gehabt und sie war oft und viel draussen. Ihr Revier hat sie immer lautstark und brutal verteidigt, aber dafuer wussten alle Nachbarskatzen und Kater wer die Koenigin aufm Platz war. Sie war aeusserst majestaetisch in ihrem Verhalten gegenueber Fremden Menschen und Katzen. Uns und unseren Verwandten gegenueber war sie aber immer sehr lieb und anschmiegsam. Sie wusste immer was sie wollte und was nicht und hat sich auch entsprechend bemerkbar gemacht. Nur die letzten Monate hat sie ein wenig genervt, weil sie wirklich eine “schrullige Oma” wurde.
Gruss Tom
Saturday, 26. July 2008 22:14
Ich habe mich wohl in den Daten geirrt. Mutti hat mich gerade darauf hingewiesen, dass die ersten Tierärztlichen Unterlagen welche wir aufgehoben haben aus dem Jahr 1992 stammen. Also bitte alles in meinem Bericht 2 Jahre nach vorn verschieben…
Sunday, 27. July 2008 14:27
Hallo Tom
ich weis wie es ist mit einer geliebten Katze groß zu werden die dann stirbt wenn man nicht mehr zu hause ist und oft bin ich ja nicht daheim.
Weist du dein Bericht ist voll schön.
Ich wünschte ich hätt von vielen Freunden bzw sagen wir mal Familienmitgliedern richtig abschied nehmen dürfen. da war einmal meine Uroma, leider durfte ich nicht tschüss sagen weil es meien Oma nicht wollte.
udn dann eben meine kleine ich mag dich nicht nicole zicke Zotti.
Meine kleine Halbangora.
Tja Tiere sind was ganz tolles.
Glg aus Deutschland nach Großbritannien.