Saturday, 27. September 2008 23:57
Achtung! Wahrnung! Teilweise drastische Beschreibung der Realität im Alltag unserer beiden Viertel Gibbonsdown und Cadoxton. Nicht weiterlesen, wenn du das nicht lesen möchtest!
Zunächst möchte ich mich entschuldigen, dass meine regelmäßigen Leser(innen) so lange auf einen neuen Eintrag warten mussten, der diesmal ausnahmsweise mal wieder etwas mehr Inhalt hat und nicht in die Kategorie Humor oder Videos gehört. Es gibt virtuell, online und am Computer viel, was ich tun und erledigen könnte. Aber all das (leider auch verschiedene Kontakte in Deutschland) muß leider im Moment warten. Es gibt hier in Barry mehr zu tun und zu beten als je zuvor.
Da ich über meine verschiedenen Tätigkeiten hier auf dem westeuropäischen Missionsfeld lange nicht detailliert berichtet habe, möchte ich das nun in ein paar Beiträgen nachholen, welche über die nächsten Tage verteilt hier so auftauchen. In diesem Beitrag möchte ich zunächst auf die erst kürzlich zurückliegenden teilweise dramatischen Ereignisse der letzten 2 Wochen eingehen. Andere Beiträge werden dann auch noch positivere Themen beinhalten.
Ich berichte nur ungern über negative Ereignisse und möchte dem Ganzen nicht mehr Ruhm bzw. Aufmerksamkeit zukommen lassen, als notwendig. Aber ich empfinde es als wichtig euch an den Ereignissen teilhabe zu lassen. Ich schätze euer Gebet und eure Gemeinschaft sehr und bin auch offen für Eindrücke und Vorschläge.
Angefangen zu bemerken habe ich eine scheinbar zunehmende Spirale der Gewalt vor etwa 4 Wochen, als das Wettbüro um die Ecke von einem Täter mit größerer Waffe überfallen und ausgeraubt wurde. Es war auf einmal viel Hektik in unserer Nachbarschaft. 3 große Polizeiwagen mit vergitterten Fenstern und mehrere normale Polizeifahrzeuge tauchten auf, die Hauptstraße wurde weiträumig gesperrt, überall standen Polizisten mit kleinen Maschinengewehren und voller Rüstung. Ein Hubschrauber kreiste über unseren Straßen und viele Schaulustige versammelten sich. Leider wurde der Täter bis heute nicht gefasst. Gott sei Dank wurde niemand bei diesem Überfall verletzt.
Wenige Tage später wurde ein 14 jähriger vollgepumpt mit Alkohol und nicht ungefährlichen chemischen Substanzen ganz in der Nähe meiner Straße aufgelesen. Auch ihm konnte geholfen werden. Aber schockierend war es trotzdem. Wahrscheinlich auch, weil Dorgenmissbrauch in solchen Ausmaß hier oft hinter verschlossenen Türen vor sicht geht und nicht in aller Öffentlichkeit.

Beispielbilder aus Cadoxton. Keine Bilder von meiner Straße, die fotografiere ich absichtlich nicht.
Wieder einige Tage später wurden ein paar Straßen weiter 2 Menschen ermordet. Ich weiß nicht viel über den Fall, da ich nicht nach negativen Schlagzeilen suche.
Seit Wochen haben sich auch die Anzahl an Streitigkeiten und Kämpfen zwischen Bedrunkenen beiderlei Geschlechts und jeder Altersgruppe gehäuft. In meiner Straße gab es eine Woche lang beinahe jeden Abend geschrei und Prügeleien. Meiner direkte Nachbarin hat ständig Besuch von irgendwelchen Männern, die scheinbar Expartner und Väter ihrer 3 Kinder sind. Beinahe jeder Besucher kommt um Zoff zu machen. Mir tun die Kinder so leid. Wie habe ich mich doch gefreut, als sie im August zu unserem großen Spaßtag im lokalen Stadium kamen. Sogar ihre Mutter war dabei.
Am 11. September wurde nun ein kleiner “Tante Emma”-Laden in Gibbonsdown überfallen. Dieses Geschäft liegt direkt gegenüber von unserer Gemeinde. Früh um 8 Uhr stürmte ein Typ in den Laden. Er hatte ein Kapuzenshirt an und die Kaputze hatte einen Frontreissverschluss, welcher bis über die Nase zugezogen war. Er hatte eine (wahrscheinlich echte) Pistole bei sich und verlangte nach dem Inhalt der Kasse. Die Besitzerin hatte jedoch Angst diese zu öffnen, da nur 10 Pfund Sterling drin waren. Was kann man auch früh um 8 Uhr erwarten. Sie dachte jedenfalls, der bereits sehr gestresst und verrückt wirkende Täter würde eventuell durchdrehen. So wählte sie geistesgegenwärtig und heimlich den Notruf und lies hier Handy unter der Ladenteke eingeschaltet und mt offenem Anruf. Sie hoffte die Polizei würde das Geschrei des Täters hören, das Handy orten und jemanden schicken um zu helfen. Als sie sich weigerte die Kasse zu öffnen, schnappte sich der Täter die Frau, verdrehte ihr die Arme auf dem Rücken und brachte sie nach draußen. Dort zwang er ihr die Waffe in den Mund und drohte sie zu erschiessen. Dann liess er von ihr ab und eilte in den Laden. Dort begann er die Kasse aufzubrechen. Während dessen reagierte die Besitzerin blitzschnell und richtig und rannte weg, um bei Nachbarn Schutz und Hilfe zu finden. Der Täter brach die Kasse auf, nahm die 10 Pfund und fuhr in einem silbernen Auto schnell weg. Die Polizei ermittelt und sucht nach Hinweisen aus der Bevölkerung. Wir als Gemeinde haben, wie viele Nachbarn auch, Blumen und Karten vorbeigebracht und haben auch in unserem Jugendclub darum gebeten, dass unsere Teens die nächsten Wochen ohne Kapuzenshirts in diesem Laden einkaufen gehen.
Und in all dem scheint das Licht des Evangeliums um so heller. In all dem ist Jesus zu finden. Plötzlich kommen mehr “Fremde” zum Gottesdienst. Ein Nachbar hat sich entschieden zu unseren Gottesdiensten und Hauskreisen zu kommen. Er hat schon länger einen Anfang mit Jesus gemacht und geht nun Schritt für Schritt mit Gott vorwärts. Wir freuen uns sehr über ihn. Sein Name ist Tony und er kommt ursprünglich aus Süd-Afrika. Auch haben wir interessante Gespräche mit den Teens, die Gemeindearbeit wächst und wir lernen als Gemeinde immer weniger nur Instutition und mehr und mehr ein Platz für gesunde und heilsame Beziehungen zu sein. Wir wachsen miteinander und Gott lehrt uns Lehrstücke der Gnade und Liebe.
Im August hatten wir einen großen Spaßtag an einem Samstag. Das ganze fand im lokalen Fußballstadion statt. Eigentlich ein Ort, in dem laut Stadtordnung keine religiösen Verstanstaltungen laufen dürfen. Und der großteil der Organisatoren waen Gemeinden aus vielen Denominationen. Doch die Stadt änderte kurzerhand ihre Regeln und dem Fest stand nix im Weg. Wir wollten unserern Nachbarn aktiv die Liebe Gottes zeigen und über 3000 Menschen waren gekommen. Es gab kostenlosen Kuchen und Wasser, sportliche Wettbewerbe, Hüpfburgen, Gesichtsbemalung, ein Gebetszelt und vieles mehr. Viele hatten großen Spaß. Am Nachmittag hatten wir dann einen weniger gut besuchten Gottesdienst auf Barry Island in Nieselregen und Sturm. Aber die Menschen blieben stehen, trotz Regen, und hörten die Botschaft von Jesus Christus.
Seit 2 Wochen sind Kinderclub (Mittwochs), Hausaufgabenclub (Dienstag und Donnerstags, 1,5 Stunden) und der Jugendclub (Freitags 1,5 Stunden) wieder geöffnet. Es kommen einige neue Gäste und das ist sehr erfreulich. Auch haben wir nun zwei neue Mitarbeiterinnen. Tim’s Frau Andrea hat ihren gut bezahlten Job als medizinische Sekretären aufgegeben um Tim vollzeitlich zu helfen. Sie arbeitet nun Seite an Seite mit Tim hier in Gibbonsdown. Und dann ist da noch Cat, die Freundin unseres Jugendsozialarbeiters (im Studium). Sie ist ins Viertel gezogen und hilft nun ehrenamtlich auf vielseitige Weise. Sie bringt schon viel Erfahrung aus Manchester mit, wo sie zuvor wohnte und mit Jugendlichen arbeitete.
Ich verbleibe mit der dringenden Bitte für uns hier zu beten! VIELEN DANK!
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