Saturday, 8. April 2006 12:52
War gestern mit meinem Vati im Kino. Kommt nicht so oft vor und deshalb war das was ganz besonderes für mich. Im Vorfeld hatte ich das Programm nach einem guten Film durchsucht und bin auf den Film “Das Leben der Anderen” gestoßen. Nun ja, bei deutschen Filmen oder Filmen mit großer deutscher Beteiligung bin ich immer etwas vorsichtig. Aber bei “Barfuß” war ich auch nicht enttäuscht. Die Produzenten und Schauspieler sind zwar hier ganz andere. Aber generell habe ich in den letzten 6 Jahren einige deutsche Filme gesehen, die ich teilweise nur zur Hälfte angeschaut habe oder eben total schlecht fand.
Nun zum Film:
“Das Leben der Anderen” spielt in der DDR mitten in den 80ziger Jahren. Hauptfiguren sind zwei Stasioffiziere, der Minister für Kultur, ein Künstlerpärchen und einige mit ihnen befreundete Künstler aus der Theater- und Literatenszene. Der Minister für Kultur verlangt von einiger bekannten Theaterschauspielerin sexuelle Gefälligkeiten, damit sie als Gegenleistung unbehelligt auf den Theaterbühnen der DDR auftreten darf. Künstler wurden in der DDR generell sehr streng überwacht und oft zu Dingen gezwungen um unbehelligt weiterarbeiten zu können. Regimekritisch durfte man auf keinen Fall sein und wenn dann nur sehr versteckt und gewitzt. Der Freund dieser Schauspielerin ist ein Schriftsteller/Dichter, dessen Theaterstücke oft aufgeführt werden und allgemein beliebt sind. Er ist sogar ein persönlicher Freund von Margot Honecker. Er gilt als “regimetreu” und als überzeugter Sozialist. Aber der Kulturminister sieht in ihm einen Konkurenten. Deshalb beauftragt er die Stasi diesen Mann zu überwachen und um jeden Preis irgendwas zu finden, was gegen ihn verwendet werden könnte. Daraufhin wird die Berliner Wohnung des Paares verwanzt und sogar mit versteckten Kameras bestückt. Auf dem Dachboden des Mehrfamilienhauses quartiert sich die Stasi ein und überwacht die beiden 24 Stunden am Tag. Der für die Tagschicht zuständige Offizier ist ein sehr einsamer Mensch und wirklich ein “bissiger Hund” was die Treue zur Stasi und seine Methoden betrifft. Er bemerkt aber die ehrliche Liebe der beiden Künstler und erkennt mit der Zeit, dass er irgendwas falsch macht. Spannend wird die Sache, als ein Freund des Schriftstellers aufgrund eines Berufsverbotes Selbstmord begeht und der Schriftsteller endlich aufwacht. Plötzlich sieht er die DDR kritischer und schreibt heimlich einen Artikel über die außergewöhnliche hohe Selbstmordrate in der DDR. Dieser wird dann anonym im Westdeutschen Magazin “Der Spiegel” veröffentlicht. Wie verhält sich der Stasioffizier auf dem Dachboden? Steckt vielleicht doch noch ein Mensch in ihm? Gespielt wird der Stasioffizier von Ulrich Mühe und dieser schafft es, diese Rolle voll auszufüllen. Allein seine Mimik war eine Klasse für sich. Selbst wenn das ein Stummfilm gewesen wäre, hätte ich seine inneren Kämpfe sehr gut erkannt und trotzdem spielte er seine Rolle nicht übertrieben.
Alles in allem fand ich den Film sehr bewegend und auf alle Fälle lohnt sich der Kinoeintritt. So intensiv erlebt man diesen Film nur mit Kinosound und Kinoleinwand. Es sei denn, man nennt entsprechende Heimkinotechnik sein eigen. Sicherlich erlebt ein Einwohner der ehemaligen DDR diesen Film ganz anders, als ein Einwohner der BRD. Und es kommen auch Begriffe und Abkürzungen in dem Film vor, die man nur kennt, wenn man sich etwas mit der Geschichte der DDR befasst hat. Trotzdem ist es kein Film, den ausschließlich Ex-DDRBürger gut finden werden.
Es war auch total interessant beim Verlassen des Kinosaals mal in der Gesichter der älteren Zuschauer zu blicken. Hab selten soviel in Gesichtern gesehen nach einem Kinofilm.
Zitat aus www.europolitian.de:
„Das Leben der Anderen“ besticht nicht nur durch seine eindringliche Geschichte, sondern auch durch seine Realitätsnähe. Ganze vier Jahre lang dauerte die intensive Recherche von Florian Henckel von Donnersmarck: Er las nicht nur einschlägige Lektüren, sondern interviewte sowohl ehemalige hochrangige Stasi-Angehörige als auch ihre Opfer. Auch einige Mitglieder der Filmcrew, die diese Zeit selber miterlebt haben, trugen ihre Erfahrungen zum Film bei.
Die professionellen Abhörmaßnahmen, die im Film gezeigt werden, wurden bei der Stasi genau so praktiziert. Gedreht wurde „Das Leben der Anderen“ an Originalschauplätzen in Ost-Berlin, selbst im ehemaligen Stasi-Hauptquartier, wo sich heute eine Gedenkstätte befindet.
Hier auch noch eine kritische Stimme zum Thema.
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